Gertrud Piter

„Allem Gerede zum Trotz – gerade in den Gewerkschaften gelangen Frauen nur selten in höchste Führungsämter.“

Gertrud Piter wurde am 12.2.1899 in Brielow als fünftes von sieben Kindern des Arbeiters Stefan und Franziska Piter geboren. Sie verließ die Volksschule mit einem Abschluss und arbeitete bereits als 14-jährige als Hausmädchen. Es folgten Anstellungen in einer Zigarettenfabrik, den Corona-Fahrradwerken, der Metallindustrie AG, der Kammgarnspinnerei Kummerlé und der Spielwarenfabrik Oskar Wiederholz.
Bereits in den 1920er Jahren war sie politisch interessiert. Seit 1922 KPD-Mitglied war sie im Roten Frauen- und Mädchenbund tätig. 1924 trat sie aus der Kirche aus, wurde Freidenkerin und Sozius einer Gewerkschaft.1929 zog sie schließlich als einzige Frau der KPD ins brandenburgische Stadtparlament ein.
Als aktives Mitglied des Deutschen Metallerbeiterverbandes (DMV) wurde sie zur Betriebsrätin der Lineol Aktiengesellschaft gewählt. 
Auch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten blieb Piter ihrem Engagement treu. Sie beteiligte sich am Widerstand der illegal gewordenen KPD-Unterbezirksleitung, welche Otto Seeger anführte. Ab März 1933, nach Seegers Verhaftung, übernahm sie als Frau schließlich sogar seinen Posten. Als die KPD-Gruppe verraten wurde, verhaftete die Polizei Gertrud Piter am 11.09.1933. Zunächst wurde sie ins Polizeigefängnis in der Wache im Neustädtischen Rathaus gebracht, zehn Tage später in das seit dem 24.08.1933 eingerichtete KZ am Nicolaiplatz 5, einen Tag später war sie tot.
Der regimenahe „Brandenburger Anzeiger“ berichtete an diesem Tage über das Lager: „Für manche Brandenburger möge dies Konzentrationslager eine Warnung sein, unsinnige politische Gerüchte in die Welt zu setzen oder durch Äußerungen bzw. Taten Sabotage am Aufbauwillen unserer Regierung zu treiben.“
Als Todesursache wurde Selbstmord angegeben, aber Gertrud Piter wurde ermordet. Ein KPD-Mitglied, das zur gleichen Zeit in dem Lager saß, berichtete in einem Brief darüber, wie es Gertrud Piter erging: „Ich erfuhr, dass im linken Seitenflügel die erste Frau eingeliefert sei. Einen Tag berichtete ein SS-Mann folgende Scheußlichkeiten seiner SS-Kameraden: ,Solche Schweine, solche Halunken, diese Frau ist ja so standhaft. Tag und Nacht hat man sie geschlagen, aber sie gab keine Auskunft, wer ihre Mitarbeiter waren. Es war furchtbar, was ich an diesen Tagen gesehen habe. Der Kommandant war schlimmer als ein Tier. Aus vielen Wunden blutend, wurde sie von diesen Tieren am Fenster der Zelle aufgehängt, um die Spuren ihres Sadismus zu vertuschen.“ Im Krematorium durfte die Mutter ein letztes Mal ihre Tochter sehen. Sie hob das Tuch hoch, mit der die Leiche verdeckt war, und sah, dass der Körper ihrer Tochter blutunterlaufen, blau und geschwollen war.
Nur die engste Familie durfte zur Beerdigung kommen, die Polizei sperrte den Friedhof ab.

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Heute wird an mehreren Orten in der Stadt an sie erinnert: Eine Gedenktafel am Stadthaus am Nicolaiplatz (das ehemalige KZ) erinnert an den Tod der Politikerin.
Der Magdeburger Platz in Brandenburg ist 1950 in Gertrud-Piter-Platz umbenannt worden. In der Mühlentorstraße 15, wo Piter zuletzt lebte, befindet sich eine weitere Gedenktafel an der Fassade.
Eine Kindertagesstätte nahe des Nicolaiplatzes trug bis zu ihrer Auflösung im Jahre 2013 den Namen Gertrud Piters.

Lit.:
Bernhard Bogedain, Ehrennamen - Verkörperung revolutionärer Traditionen (2. Fortsetzung). Kulturspiegel 8/1977. Zu Gertrud Piter: S.3 - 5. S. 8 ältere Literatur.
Heiko Hesse: Als die SS Gertrud Piter ermordete (MAZ vom 16.09.2018, abgerufen am 13.02.2026)