Friedrich Ebert jr.
Friedrich Ebert jr. wurde als Sohn des späteren Reichspräsidenten Ebert am 12.9.1894 in Bremen geboren. Nach der mittleren Reife machte er eine Lehre zum Buchdrucker. Nachdem er von 1913 bis 1915 als Buchdrucker gearbeitet hatte, wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und 1916 in Russland schwer verwundet. Als "kampfunfähig" wurde er Wochen später aus dem Lazarett entlassen.
1924 trat Friedrich junior der neu gegründeten Organisation Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold bei, da er die Republik in Gefahr sah. Er arbeitete als Redakteur verschiedener sozialdemokratisch orientierter Zeitungen. Von 1925 bis 1933 war er Redakteur der von Otto Sidow herausgegebenen Brandenburger Zeitung in Brandenburg an der Havel, bereits nach wenigen Monaten Chefredakteur. Seit 1927 war er für die SPD, in die er 1913 eingetreten war, Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Brandenburg, von 1929 bis 1933 Stadtverordnetenvorsteher. Von 1928 bis 1933 war Ebert Mitglied des Reichstages. 1930 verschärften sich die Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten sowohl im Reich als auch auf kommunaler Ebene. Der Fraktionsvorsitzende der kommunistischen Partei im Brandenburgischen Stadtparlament, Max Herm, attackierte Friedrich Ebert als „Revisionisten“, „Opportunisten“ und „Sozialfaschisten“.
Am 28. Februar 1933, nach dem Reichstagsbrand, verboten die Nationalsozialisten die Brandenburgische Zeitung mit der Begründung, dies sei „im Interesse der öffentlichen Sicherheit“, so dass Friedrich Ebert jr. sein Einkommen als Chefredakteur verlor. Am 7.7.1933 wurde Ebert verhaftet und war bis 24.12.1933 in den Konzentrationslagern Oranienburg, Börgermoor und Lichtenburg inhaftiert, wo er zusammen mit Max Herm, dem späteren Oberbürgermeister von Brandenburg zusammentraf. Friedrich Ebert war als Sohn des ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik ein besonderes Ziel von Willkür der SA im Lager. Er war zudem selber Sozialdemokrat und hatte als Chefredakteur der Brandenburger Zeitung die Nationalsozialisten häufig scharf kritisiert Seine zweite Frau Maria erinnerte sich später: „Die Methoden der Folterungen und Diffamierungen verstärkten sich von Lager zu Lager." Am 13.09.1933 wurde er in Börgermoor mit Triumphzug von Schlägen und Tritten begrüßt. Er musste zur Identifizierung rufen: „Mein Vater war ein Volksverführer.“
Nach der Entlassung nahm er Verbindung zu Widerstandsgruppen auf, unter anderem mit den Gruppen um Wilhelm Leuschner und Robert Uhrig. In Berlin, wo er nun mit Frau und zwei Söhnen lebte, stand er unter ständiger Polizeiaufsicht und unterlag strengen Meldeauflagen. Von 1934 bis Kriegsende konnte Ebert jeweils nur kurzfristig beruflich tätig sein, da seinen Arbeitgebern nahegelegt wurde, „keinen Staatsfeind zu beschäftigen“. So hatte er für vier Wochen eine Anstellung im Büro einer Großgarage, 1936 wurde er Teilhaber einer kleinen Druckerei, dann Tankstellenbesitzer in Johannisthal; im Frühjahr 1939 fand er eine kurzzeitige Anstellung in einer Tiefbaufirma. Seine Frau Johanna belastete die häusliche Situation zusehends. Schließlich beging sie am 28. Februar 1938, dem Todestag von Friedrich Eberts Vaters, Selbstmord. Am 28.8.1939 wurde Friedrich Ebert zum Kriegsdienst einberufen. Am 1.9.1939 folgte der Überfall auf Polen. Ebert stieß mit seiner Truppe bis nach Torun in Polen vor und wurde dann an die Westfront verlegt. Im April 1940 erhielt er Fronturlaub und heiratete Maria Koch. Vier Wochen später wurde Friedrich Ebert, wie alle Soldaten des Jahrgangs 1894, aus dem aktiven Militärdienst entlassen.
Maria Ebert berichtete später: „Am 22. und 23. November 1943 wird Berlin so stark bombardiert, dass ganze Stadtviertel zerstört wurden. Dabei verloren auch wir unsere Wohnung und unsere ganze Habe. Retten konnte mein Mann aus dem brennenden Haus nur noch seine Kanarienvögel. Er besaß damals einen Zuchtkäfig mit sechs Boxen.“
Bereits kurz nach dem Krieg hatte Ebert die Leitung des Wiederaufbaus der SPD übernommen. Am 6.4.1946 fanden in der Provinz Brandenburg letztmalig getrennte Parteitage von SPD und KPD statt. Ebert wurde zum Vorsitzenden gewählt. Am Tag darauf folgte der Vereinigungsparteitag zur SED. Die Vereinigung der Parteien war ein maßgebliches Anliegen auch von Ebert gewesen. Ende April wählte der Parteitag Ebert zum Mitglied des Parteivorstandes der SED. Von 1948 bis 1967 war Ebert Oberbürgermeister von Ost-Berlin von 1947 bis 1950 gehörte er als Mitglied dem Zentralsekretariat an und seit 1949 bis zu seinem Tode dem Politbüro des ZK der SED. 1971 wurde er stellvertretender Staatsratsvorsitzender.
Am 5.7.1967 ernannte ihn der Magistrat von Ost-Berlin zum Ehrenbürger Berlins. Ebert starb am 4.12.1979 in Berlin
Nach der Wiedervereinigung wurde ihm die Ehrenbürgerwürde posthum vom Berliner Senat wieder aberkannt.
Die 1946 durch Zusammenlegung mehrerer Straßen entstandene, nach dem Reichspräsidenten benannte Straße in Potsdam wurde „zu späteren DDR-Zeiten“ auf den gleichnamigen Sohn umgewidmet, auch hier wurde der Bezug zum Vater nach der Wende wieder hergestellt.
Literatur.:
1924 trat Friedrich junior der neu gegründeten Organisation Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold bei, da er die Republik in Gefahr sah. Er arbeitete als Redakteur verschiedener sozialdemokratisch orientierter Zeitungen. Von 1925 bis 1933 war er Redakteur der von Otto Sidow herausgegebenen Brandenburger Zeitung in Brandenburg an der Havel, bereits nach wenigen Monaten Chefredakteur. Seit 1927 war er für die SPD, in die er 1913 eingetreten war, Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Brandenburg, von 1929 bis 1933 Stadtverordnetenvorsteher. Von 1928 bis 1933 war Ebert Mitglied des Reichstages. 1930 verschärften sich die Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten sowohl im Reich als auch auf kommunaler Ebene. Der Fraktionsvorsitzende der kommunistischen Partei im Brandenburgischen Stadtparlament, Max Herm, attackierte Friedrich Ebert als „Revisionisten“, „Opportunisten“ und „Sozialfaschisten“.
Am 28. Februar 1933, nach dem Reichstagsbrand, verboten die Nationalsozialisten die Brandenburgische Zeitung mit der Begründung, dies sei „im Interesse der öffentlichen Sicherheit“, so dass Friedrich Ebert jr. sein Einkommen als Chefredakteur verlor. Am 7.7.1933 wurde Ebert verhaftet und war bis 24.12.1933 in den Konzentrationslagern Oranienburg, Börgermoor und Lichtenburg inhaftiert, wo er zusammen mit Max Herm, dem späteren Oberbürgermeister von Brandenburg zusammentraf. Friedrich Ebert war als Sohn des ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik ein besonderes Ziel von Willkür der SA im Lager. Er war zudem selber Sozialdemokrat und hatte als Chefredakteur der Brandenburger Zeitung die Nationalsozialisten häufig scharf kritisiert Seine zweite Frau Maria erinnerte sich später: „Die Methoden der Folterungen und Diffamierungen verstärkten sich von Lager zu Lager." Am 13.09.1933 wurde er in Börgermoor mit Triumphzug von Schlägen und Tritten begrüßt. Er musste zur Identifizierung rufen: „Mein Vater war ein Volksverführer.“
Nach der Entlassung nahm er Verbindung zu Widerstandsgruppen auf, unter anderem mit den Gruppen um Wilhelm Leuschner und Robert Uhrig. In Berlin, wo er nun mit Frau und zwei Söhnen lebte, stand er unter ständiger Polizeiaufsicht und unterlag strengen Meldeauflagen. Von 1934 bis Kriegsende konnte Ebert jeweils nur kurzfristig beruflich tätig sein, da seinen Arbeitgebern nahegelegt wurde, „keinen Staatsfeind zu beschäftigen“. So hatte er für vier Wochen eine Anstellung im Büro einer Großgarage, 1936 wurde er Teilhaber einer kleinen Druckerei, dann Tankstellenbesitzer in Johannisthal; im Frühjahr 1939 fand er eine kurzzeitige Anstellung in einer Tiefbaufirma. Seine Frau Johanna belastete die häusliche Situation zusehends. Schließlich beging sie am 28. Februar 1938, dem Todestag von Friedrich Eberts Vaters, Selbstmord. Am 28.8.1939 wurde Friedrich Ebert zum Kriegsdienst einberufen. Am 1.9.1939 folgte der Überfall auf Polen. Ebert stieß mit seiner Truppe bis nach Torun in Polen vor und wurde dann an die Westfront verlegt. Im April 1940 erhielt er Fronturlaub und heiratete Maria Koch. Vier Wochen später wurde Friedrich Ebert, wie alle Soldaten des Jahrgangs 1894, aus dem aktiven Militärdienst entlassen.
Maria Ebert berichtete später: „Am 22. und 23. November 1943 wird Berlin so stark bombardiert, dass ganze Stadtviertel zerstört wurden. Dabei verloren auch wir unsere Wohnung und unsere ganze Habe. Retten konnte mein Mann aus dem brennenden Haus nur noch seine Kanarienvögel. Er besaß damals einen Zuchtkäfig mit sechs Boxen.“
Bereits kurz nach dem Krieg hatte Ebert die Leitung des Wiederaufbaus der SPD übernommen. Am 6.4.1946 fanden in der Provinz Brandenburg letztmalig getrennte Parteitage von SPD und KPD statt. Ebert wurde zum Vorsitzenden gewählt. Am Tag darauf folgte der Vereinigungsparteitag zur SED. Die Vereinigung der Parteien war ein maßgebliches Anliegen auch von Ebert gewesen. Ende April wählte der Parteitag Ebert zum Mitglied des Parteivorstandes der SED. Von 1948 bis 1967 war Ebert Oberbürgermeister von Ost-Berlin von 1947 bis 1950 gehörte er als Mitglied dem Zentralsekretariat an und seit 1949 bis zu seinem Tode dem Politbüro des ZK der SED. 1971 wurde er stellvertretender Staatsratsvorsitzender.
Am 5.7.1967 ernannte ihn der Magistrat von Ost-Berlin zum Ehrenbürger Berlins. Ebert starb am 4.12.1979 in Berlin
Nach der Wiedervereinigung wurde ihm die Ehrenbürgerwürde posthum vom Berliner Senat wieder aberkannt.
Die 1946 durch Zusammenlegung mehrerer Straßen entstandene, nach dem Reichspräsidenten benannte Straße in Potsdam wurde „zu späteren DDR-Zeiten“ auf den gleichnamigen Sohn umgewidmet, auch hier wurde der Bezug zum Vater nach der Wende wieder hergestellt.
Literatur.:
N. Podewin, Ebert und Ebert. Zwei deutsche Staatsmänner: Friedrich Ebert (1871-1925) und Friedrich Ebert (1894-1979), Berlin 1990.
R. Schroeder: Friedrich Ebert (1894–1979) – Ein Leben im Schatten des Vaters, Berlin 2021.