Franz Schleusener

Franz Karl Rudolf Schleusener – Demokrat unter verschiedenen Vorzeichen

Franz Karl Rudolf Schleusener wurde am 28.Dezember 1876 in Sellnow im Kreis Arnswalde in der Neumark geboren. Er kam aus einer Familie von Landwirten und Gutsbesitzern. Bevor der studierte Jurist am 02. August 1914 seinen Dienst als Erster Bürgermeister in Brandenburg antrat, sammelte er kommunalpolitische Erfahrungen als Zweiter Bürgermeister in Lissa und als Stadtrat in Stettin.
Nachdem Hugo Dreifert als Oberbürgermeister nach Cottbus gerufen wurde, wählten 35 von 45 der Brandenburger Stadtverordneten Franz Schleusener am 12.Juni 1914 zum Ersten Bür-germeister. 1915 wurde ihm vom Kaiser der Titel des Oberbürgermeisters verliehen. Im An-trag dazu hieß es:
„Trotz der in Brandenburg nicht einfach liegenden sozialen Verhältnisse hat sich kein Mißton hören lassen, was zweifellos in erster Linie dem Bürgermeister Schleusener als persönliches Verdienst anzurechnen ist.“
Als Schleusener sein Amt im August antrat, hatte der Erste Weltkrieg gerade begonnen. Ist bei ihm anfänglich von Hoffnung auf einen Sieg in Vertrauen auf den Kaiser und Enthusias-mus zu erkennen, wurde diese durch die Realitäten des Krieges getrübt. In den Zeiten des Krieges kämpfte er stets mit den Versorgungsengpässen und Verordnungen oberer Stellen. Er verwandte große Kraft darauf, die Stadt mit dem Nötigsten zu versorgen. Dafür erhielt er im Januar 1917 das Eiserne Kreuz zweiter Klasse.
Schleusener blieb auch während der Novemberrevolution 1918 Oberbürgermeister. Von An-fang an war sein höchstes Ansinnen, die Ordnung in der Stadt zu bewahren, weshalb er mit dem Arbeiter- und Soldatenrat kooperierte. Er akzeptierte, dass ihm als Vertreter der Räte der Sozialdemokrat und Redakteur Franz Mitzkat beigeordnet wurde. Die Arbeit mit ihm beurteil-te er als angenehm. Er räumte ihm sogar den Verdienst ein, dass die Revolution in Branden-burg „keine unerträglichen Erschütterungen gebracht hat.“ Mit dem radikaleren Teil um Erich Baron fand er aber keine Grundlage der Zusammenarbeit. Schleusener begrüßte den Prozess der Demokratisierung, konnte mit der Revolution selber aber wenig anfangen. Trotz aller Bereitschaft der Gemeinschaftsarbeit empfand der Oberbürgermeister die Arbeitsweise des Arbeiter- und Soldatenrates als dilettantisch und chaotisch. Die langen Sitzungen des Rates erschienen ihm als ergebnislos. Für Franz Schleusener stand die Sacharbeit mit dem Lösen von Problemen wie steigenden Preisen und drohenden Streiks im Mittelpunkt.
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Im ständigen Glauben an das Gesetz

1920 verlässt Schleusener, inzwischen Mitglied der DDP, die Havelstadt, um das Amt des Regierungspräsidenten im Bezirk Potsdam zu übernehmen. Darauf war er von 1924 bis 1933 als Staatssekretär im Preußischen Finanzministerium tätig. Seine Entlassung erfolgt nach „Ablehnung m.E. ungerechtfertigter persönlicher Ansprüche des damaligen Ministerpräsiden-ten Göring“ sowie seiner Weigerung in die NSDAP einzutreten. Er ließ sich daraufhin als Rechtsanwalt in Berlin nieder.
Nach Kriegende kehrte Schleusner wieder in die Politik zurück. Im September 1945 wurde er durch die Sowjetische Militäradministration zum vierten Vizepräsident der Brandenburgi-schen Provinzialverwaltung beordert. Hier war er für Finanzen und Gesundheit zuständig. In dieser Funktion unterschrieb er nach längerem Zögern die Verordnung der Bodenreform, war aber gegen die daraus folgenden Enteignungen. Er wurde Ende November Mitglied der CDU und erlangte Mandate in der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung und im Brandenburger Landtag. Mit seinem Einstehen für freie Wahlen und Rechtstaatlichkeit geriet er mit der SED in Konflikt und konnte sich gegen deren Anfeindungen nicht halten. Man drängte ihn darauf-hin aus der Politik. Nachdem er gezwungenermaßen alle seine Mandate niedergelegt hatte und aus der CDU austrat, wurde er am 29.März 1950 verhaftet. Ihm wurde illegale Gruppenbil-dung vorgeworfen. Wenig später am 3. April wurde er tot in seiner Zelle im Polizeigefängnis Potsdam aufgefunden. Vermutlich starb er an den Folgen von Misshandlungen während des Verhörs. Seine genauen Todesumstände sowie der Verbleib seiner sterblichen Überreste sind bis heute ungeklärt geblieben.